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V5.3

Historisches

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Die Geschichte von Nährstofftabellen reicht sicherlich bis ins 18. Jahrhundert zurück. Sie hängt aber wesentlich davon ab, was als Nährstoff betrachtet wird.

1789 : Carl August Hofmann veröffentlicht eine Tabelle über die Zusammensetzung von 40 Mineral Wässer und Gesundbrunnen (1). Hofmann's Tabelle ist Kandidat für die älteste Nährstofftabelle.

1814 : Johann Friedrich John fasst die vorliegenden Analysen zu pflanzlichen Stoffen zusammen (2). Nach heutiger Kenntnis ist John's Tabelle die älteste Nährstofftabelle in Buchform.

1818 : Percy und Vaquelin wurden von der französischen Regierung beauftragt, Lebensmittel zu nennen, welche die gleichen Mengen an Nährstoffe liefern wie eine bestimmte Menge an Kartoffeln. Grund hierfür war die Notwendigkeit eine Alternative zu den Kartoffeln zu finden, die als Nahrung der Gefangenen nicht über das ganze Jahr verfügbar war. Die aus diesem Auftrag resultierende einseitige Auflistung von Lebensmitteln, welche den Wassergehalt, die Trockenmasse sowie den Gehalt des 'löslichen Stoffes' und der Asche von 12 Lebensmitteln enthält, wies – wie es heute meist immer noch der Fall ist – einige fehlende Werte auf (3).

1859 : Eine weitere frühe Auflistung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln wurde 1859 vom Holländer Jacob Moleschott als Anhang der zweiten Auflage seines Buches 'Physiologie der Nahrungsmittel - Ein Handbuch der Diätetik' veröffentlicht. In der ersten Auflage aus dem 1850 waren die Tabellen noch im Text verteilt. Die zweite Auflage verfasste Moleschott mit grosser Wahrscheinlichkeit während seiner Zeit als Professor in Zürich (4).

1879 : Nachdem Joseph König 30 Jahre lang Lebensmitteldaten zusammengetragen hatte, veröffentlichte er 1879 den ersten seiner beiden Bände zur Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel (5). König wird oft als Verfasser der ersten Nährwerttabelle beschrieben. Dieser Titel müsste aber eher Moleschott zugeschrieben werden.

1896 : Die erste amerikanische Nährwerttabelle wird von Atwater und Woods veröffentlicht. Sie enthält Daten zu rund 2600 Lebensmittel (6). Wie alle Nährwerttabellen bis zu diesem Zeitpunkt enthielt sie keine Angaben zu den einzelnen Mineralstoffen oder zu den Vitaminen.

1940 : McCance und Widdowson haben die erste britische Nährwerttabelle kompiliert. In ihrem Vorwort halten sie fest, dass die Kenntnis der Zusammensetzung von Lebensmitteln die erste Grundlage jeder quantitativen Forschung in der Humanernährung darstellt (7).

1944 : In der Schweiz wird die erste Nährwerttabelle während des zweiten Weltkrieges erstellt und 1944 veröffentlicht (8). Sie enthält Werte aus eigenen Analysen sowie aus vier Nährwerttabellen anderer Länder.

1964 : Zwei Jahrzehnte später erscheint im Schweizer Lebensmittelbuch eine zweite Nährwerttabelle (9), welche ebenfalls Daten aus diversen Quellen enthält und wofür eigens eine ganze Reihe Analysen von Schweizer Lebensmitteln durchgeführt wurde (10). Diese Tabelle wurde leider nie aktualisiert.

1983 : Die Universität der Vereinigten Nationen (UNU) initiiert ein Projekt mit dem Ziel, Bestrebungen zur Verbesserung der Qualität und Verfügbarkeit von Nährwertdaten weltweit zu fördern. Dieses Projekt, das „International Network of Food Data Systems (INFOODS)” wird seit 1994 von der Food and Agriculture Organization (FAO) mitgetragen.

1992 : Aus dem Projekt INFOODS entsteht ein knapp 300-seitiger Leitfaden zur Herstellung, Verwaltung und Verwendung von Nährwertdatenbanken (11).

1995 : Auch auf Europäischer Ebene werden Bestrebungen zur Harmonisierung von Nährwertdatenbanken unternommen. Im Rahmen der EU COST Action 99 „Food Consumption and Food Composition Data” wird dabei unter Beteiligung vom Institut für wissenschaftliches Rechnen der ETH Zürich eine Empfehlung zum Management von Nährwertdaten erstellt (12).

1997 : In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird am Institut für Lebensmittelwissenschaften der ETH Zürich ein Projekt zur Erstellung von Schweizer Nährwertdaten lanciert.

2003 : Das Resultat des Gemeinschaftsprojektes von ETH und BAG wird als „Schweizer Nährwertdaten“ auf CD-Rom und gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE als „Schweizer Nährwerttabelle“ in Form einer Broschüre veröffentlicht. Der Umfang beträgt rund 700 Lebensmittel und 32 Nährstoffe (Broschüre) beziehungsweise ca. 900 Lebensmittel und 32 Nährstoffe (CD-Rom).

2005 : Die europäischen Bestrebungen (EU COST Action 99) werden durch das Europäische Exzellenz-Netzwerk EuroFIR im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission weitergeführt und von der EU bis 2009 finanziert. Danach soll das Netzwerk selbsttragend sein. Ziel von EuroFIR ist die Erstellung einer Europäischen Nährwertdatenbank und damit einhergehend eine Standardisierung der nationalen Nährwertdatenbanken.

2006 In Zusammenarbeit mit dem BAG wird an der ETH im Rahmen des ETH Projekts SwissFIR die bestehende Schweizer Nährwertdatenbank von einem neuen Projektteam aktualisiert und ergänzt, um optimale Voraussetzungen für die geplante erste gesamtschweizerische Ernährungserhebung NANUSS zu schaffen. Zeitgleich mit der Initiierung des Projektes SwissFIR am Departement für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften der ETH Zürich beantragt die ETH Zürich die Partnerschaft bei EuroFIR. Die Partnerschaft wird im Juli 2006 zugesprochen und ermöglicht die Erstellung einer hochwertigen Datenbank mit internationalen Standards.

2012 Im xx wurde eine neue Webseite aufgeschaltet, da die alleinigen Rechte an der Datenbank per xx 2012 zurück an das Bundesamt für Gesundheit BAG. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ist weiterhin verantwortlich für die technische Betreuung und Pflege der Datenbank. Die Daten werden neu von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE gepflegt.

Verfasst von Dr. P. Colombani, Departement für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften ETH Zürich (200?), ergänzt von Esther Infanger, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE (2012)

Literatur
  1. Carl August Hoffmann. Erweiterte Tabelle über etliche vierzig Mineral-Wässer und Gesundbrunnen Deutschlands, welche in neuern Zeit nach ihren sowohl flüchtigen als auch festen Bestandtheilen genauer untersucht wurden, Weimar: bey Carl Ludolf Hoffmanns Wittwe und Erben, 1789.
  2. Johann Friedrich John. Chemische Tabellen der Pflanzenanalyse oder Versuch eines systematischen Verzeichnisses der bis jetzt zerlegten Vegetabilien nach den vorwaltenden näheren Bestandtheilen geordnet und mit Anmerkungen versehen, Nürnberg: Johann Leonhard Schrag, 1814.
  3. Percy MM, Vaquelin. Sur la qualité des aliments comparés entre eux. Bulletins de la Faculté de Médecine de Paris VI:74-86, 1818.
  4. Moleschott J. Physiologie der Nahrungsmittel. Ein Handbuch der Diätetik. Zweite völlig umgearbeitete Auflage, Ferber'sche Universitätsbuchhandlung. Emil Roth, Giessen, 1859.
  5. König J. Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel. Erster Theil. Chemische Zusammensetzung der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel. Julius Springer, Berlin, 1879.
  6. Atwater WO, Woods CD. The chemical composition of American food materials. U.S. Departement of Agriculture. Office of experiment stations, Washington. Bulletin 28:1-47, 1896.
  7. McCance RA, Widdowson EM. The chemical composition of foods. Medical Research Council Special Report Series No. 235. His Majesty's Stationery Office, London, 1940.
  8. Eidgenössisches Kriegs-Ernährungs-Amt. Tabelle der Nährwerte der Lebensmittel. Bulletin des Eidgenössischen Gesundheitsamtes 33:378-384, 1944.
  9. Högl O, Lauber E. Nährwert der Lebensmittel. In: Schweizerisches Lebensmittelbuch. Schweizerische Lebensmittelbuchkommission & Eidgenössisches Gesundheitsamt, Fünfte Auflage, 1. Band, Bern. 713-753, 1964.
  10. Högl O, Lauber E. Untersuchungen über die Zusammensetzung einiger Schweizer Lebensmittel. Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene 50:417-434, 1959.
  11. Greenfield H, Southgate DAT. Food composition data. 2nd edition, 11. FAO, Rome, 2003.
  12. Schlotke F, Becker W, Ireland J, Moller A, Ovaskainen ML, Monspart J, Unwin I. COST Action 99 – Eurofoods recommendations for food composition database management and data interchange. EUR 19538, 2000.